Ekel Stream Deutsch

Ekel
Die junge Carole ist ein schüchternes Mädchen, das zusammen mit ihrer älteren Schwester in einer großen Wohnung lebt. Kontakt zu Männern hat sie nur sehr wenig, lediglich Colin ist sehr an ihr interessiert, aber dies Interesse kann und will sie nicht erwidern. Als ihre Schwester Hélène mit ihrem bei Carole nicht sonderlich beliebten Freund Michael in Urlaub fährt, kommt sie mit sich und ihrer Umwelt nicht mehr klar. Sie geht nicht mehr zur Arbeit, verkriecht sich in der Wohnung und leidet unter paranoiden Wahnvorstellungen die in imaginären Vergewaltigungen durch Männer gipfeln. Als Colin sie schließlich zur Aussprache stellen will, brechen ihre Psychosen vollends durch...

Reviews

Kalla Malla
In Roman Polanskis erstem englischen Film »Ekel« (»Repulsion«) aus dem Jahr 1962 gibt es nichts Übernatürliches, und doch ist er einer der größten Horrorfilme aller Zeiten, weil er uns den Wahnsinn seiner Heldin detailliert miterleben lässt. Diese Hauptfigur heißt Carol und wird gespielt von der blutjungen, zerbrechlichen und beinahe emotionslosen Catherine Deneuve. Carol arbeitet als Kosmetikerin und ist extrem still und schüchtern. Vor jeder Annäherung und vor Sex hat sie eine ganz besondere Abneigung. Allein gelassen in ihrer Londoner Wohnung wird ihre Isolation mehr und mehr zur Paranoia, bis sie schließlich zur Mörderin wird... Polanski erzählt seine düstere Geschichte in hypnotischen Schwarzweiß- Bildern ganz aus der Sicht von Deneuve. Viele Passagen verlaufen stumm oder werden nur vom Ticken einer Uhr begleitet, die Atmosphäre ist klaustrophobisch. Beton wird zu Schlamm, Wände rücken immer näher und engen Carol ein, Unsichtbares bemächtigt sich Carol, Kartoffeln verrotten in der Küche und nehmen seltsame Formen an, ein Teekessel zeigt ein bizarres Spiegelbild von Carol. In ihrer Handtasche findet sich ein gehäutetes Kaninchen. Die vertraute Welt wird zum Alptraum, die Mitmenschen zu Eindringlingen, Todfeinden. Ein Rasiermesser, das zu Beginn noch von Carol verächtlich weggeworfen wird, weil es als männlich-intimes Symbol in ihrer femininen Isolation keinen Platz haben darf, wird zur Waffe. Man möchte wegschauen, aber man kann es nicht. Viele Interpreten haben Polanskis Ekel als Geschichte eines durch Missbrauch traumatisierten Mädchens gedeutet. Schon allein Deneuves ambivalente Darstellungskunst legt aber einen anderen Schluss nahe. Sie zeigt uns den Weltekel einer somnambulen Blondine als Gemisch aus unerfüllbarer Sehnsucht und unüberwindlicher Abscheu. Carols Panik entspringt keinem konkreten Ereignis, sondern einer existenziellen Verlorenheit. Deshalb ist sie den Figuren des absurden Theaters ähnlicher als Hitchcocks Psychopathinnen. Fürchterlich sind ihre Schändungsfantasien, noch fürchterlicher jedoch ist ihre Unfähigkeit, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Sie tötet ihren potenziellen Retter ebenso wie ihren Vergewaltiger, weil sie außerstande ist, an das letzte Glücksversprechen zu glauben, das nach der Abschaffung der Götter und der linken Utopien noch geblieben ist: die Liebe. Die Liebe und ihr Symptom, den Sex. Dass Polanski noch vor der großen »Make love, not war«- Euphorie der siebziger Jahre eine solche Demontage zwischenmenschlicher Beziehungen bewerkstelligte, zeigt seinen eigenständigen Rang als Regisseur. Am Ende lässt er die ohnmächtige Carol in ihrem weißen Nachthemd aus der Wohnung tragen wie eine Braut ins verhasste Brautbett. »Ekel« ist nicht zur oberflächlichen Unterhaltung geeignet. Polanski, ein Meister des subtilen Humors, verzichtet hier völlig auf jeden Anflug von Heiterkeit. Man wird als Zuschauer immer tiefer in die seelischen Abgründe gezogen und kann nur hilflos zusehen wie das Grauen seinen Lauf nimmt. Einige Anspielungen auf Hitchcocks »Psycho« sind überdeutlich, seine Schlusseinstellung ist beinahe identisch. Wir erfahren nicht, was Carol so verängstigt hat, was sie erlebt hat, um sich in ihren Wahn so hineinzusteigern, kein freundlicher »Psycho«-Psychiater erklärt uns, was hier vor sich geht. Die Geschichte von Carol kann jeden Tag überall um uns herum passieren. Wer weiß, was hinter verschlossenen Türen vor sich geht? Das macht »Ekel« so beängstigend.

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